Rettungswesten im Praxistest

Rettungswesten für Jugendliche im Praxistest

Am 15. Mai 2015 traf sich ein Teil der SRCA-Jugend im Schwimmbad um der Sicherheit beim Segeln näher auf den Grund zu gehen. Aus den DLRG Handbüchern wurde das Kapitel „Selbst- und Fremdenrettung bei Bade-, Boots- und Eisunfällen“ näher beleuchtet und alle Fundstellen, die den geneigten Segler interessieren könnten, wurden direkt im Wasser ausprobiert. Überdies gab es einen Exkurs zum Thema Rettungswesten, über den dieser Berichte interessierte Leser und Leserinnen aufklären soll.

Zunächst wurde festgehalten, dass eigentlich jeder Segler schwimmen können muss, wonach also niemand eine sog. Schwimmhilfe / Auftriebsweste der 50N-Klasse benötigt. Es müsste schon eine Rettungsweste sein, die den Segler bei einem Unfall (schwere Verletzung / Ohnmacht), nachdem er nicht mehr selbst schwimmen kann, vor dem Ertrinken bewahrt. Dazu müsste die Rettungsweste den Segler in die sog. ‚ohnmachtsichere‘ Rückenlage drehen und den Kopf überstrecken, so dass die Atemwege frei – vor allem aber über Wasser – sind.

Hierzu eignen sich laut EU-Norm Rettungswesten der Auftriebsklassen 100N, 150N und 275N – letztere konnten zur näheren Betrachtung aussortiert werden, da es diese Westen nicht mit Feststoffauftrieb sondern nur mit Aufblasautomatik gibt. Vorgenannte Automatik eignet sich aber wenig für das sportliche Segeln auf kleinen Jollen und Katamaranen, wo man ständig mit Wasser in Berührung kommt.

Auf dieser Grundlage wurde entschieden folgende Rettungswesten im Selbsttest einer eingehenden Prüfung zu unterziehen:

  • Secumar Bravo 100N (aktuelles Kostenniveau: 30-40Eur)
  • Helly Hansen Navigare Comfort 100N (aktuelles Kostenniveau: 60-80Eur)
  • Crewsaver Supersafe + Air 150N (aktuelles Kostenniveau: 80-120Eur)
    Seumar Bravo 100N 50-70kg - HellyHansen Navigare Comfort 100N 40-60kg - Crewsaver Supersafe +Air 150N 40-50kg

In den ersten Selbstversuchen wurde direkt festgestellt, dass es entscheidend ist, in wie weit die jeweilige Weste korrekt angelegt wurde. D.h. sämtliche Bauch-/Brust- und Schrittgurte müssen enganliegend auf den Körper eingestellt werden, da ansonsten keine Funktion der Weste gegeben ist. Den Probanden/-innen fällt außerdem auf, dass bei der Helly Hansen Weste nicht nur die Gurte korrekt angelegt sein müssen, sondern auch das Binden beider (!!!) Abschlussbändel nötig ist.

 

Der erste Versuchsaufbau soll nun das Drehverhalten der Rettungswesten aus der Bauchlage testen, die Weste soll den ohnmächtigen Segler so drehen, dass Mund und Nase frei von Wasser einatmen können, ohne das Zutun der Probandinnen. Unser Ergebnis zeigt sich im folgenden Video, von links: Desi mit Crewsaver Supersafe (zusätzliche Luftkammer befüllt), Ronja mit Helly Hansen Navigare, Vanessa mit Secumar Bravo.

Nach dem ernüchternden Ergebnis soll nun ein Sturz in Bauchlage vom Boot simuliert werden, dies demonstrieren im folgenden Video in der Reihenfolge: Vanessa mit Secumar Bravo, Ronja mit Helly Hansen Navigare, Desi mit Crewsaver Supersafe (zusätzliche Luftkammer befüllt), Daniel mit Helly Hansen Navigare.

Im nächsten Video führt Desi den gleichen Versuchsaufbau mit der Crewsaver Supersafe aus, ohne dass die zusätzliche Luftkammer befüllt wurde:

Insgesamt wurde mehrere Stunden getestet und festgestellt, dass:

  • die Secumar – Weste leider in keinem Fall eine sichere Wasserlage herstellen konnte
  • die Helly Hansen – Weste lediglich dann, wenn 100% korrekt angelegt und sämtliche Luft aus der Lunge ausgeatmet wurde
  • die Crewsaver – Weste mit zusätzlich befüllter Luftkammer wirklich Kraft hat und in allen Fällen in die „ohnmachtsichere“ Rückenlage dreht

 

Dieses Ergebnis ist zwar wenig erfreulich, dennoch aber nicht das Ende unseres Tests, im Folgenden Video wurde der Fall geübt, dass eine ins Wasser gefallene Seglerin ins Boot zurückgeholt werden soll. Daniel spielt den an Bord verblieben Segler und Desi mit Crewsaver Supersafe und Ronja mit Helly Hansen Navigare werden aus dem Wasser geborgen. Hier hat die Crewsaver-Weste durch den integrierten Harness weit die Nase vorn, eine Bergung aus dem Wasser ist egal aus welcher Wasserlage ohne Mühe und vor allem ohne mithilfe des über Bord gegangen möglich.

Zum Abschluss soll nun aber noch das persönliche Empfinden über den Tragekomfort im Wasser und an Land unserer Probanden/-innen hier nicht vorenthalten werden:

  • Secumar Bravo: einfach anzulegen, sitzt mäßig gut am Körper, Gurtzeug im Wasser sehr unangenehm
  • Helly Hansen Navigare Comfort: durch das binden der Bänder etwas aufwendiger anzulegen, Tragekomfort maximal hoch im Wasser wie an Land
  • Crewsaver Supersafe + Air: einfach anzulegen, Bewegungsfreiheit des Kopfes an Land wie im Wasser etwas eingeschränkt

 


Secumar Bravo, Helly Hansen Navigare Comfort und Crewsaver Supersafe + Air sind je eingetragene Warenzeichen der jeweiligen Gesellschaften Bernhardt Apparatebau GmbH u. Co. (SECUMAR), Helly Hansen AS sowie der Survitec Group Limited (CREWSAVER).